Die Niederwaldbahn

Ursprünglich zum Gedenken an den Deutsch-Französischen Krieg und als Symbol der Einigung des Deutschen Reichs erbaut, wurde das Niederwalddenkmal nach kurzer Zeit vor allem für Ausflügler interessant. Um dem Strom an Touristen Rechnung zu tragen, nahm man schon im Jahr nach der Enthüllung des Denkmals die Niederwaldbahn in Betrieb. Diese beförderte ab der Sommersaison 1884 Besucher auf einer 2,3 Kilometer langen Strecke von der Talstation Rüdesheim zum Niederwalddenkmal.

Von der Eröffnung bis zum Ersten Weltkrieg

Hinter dem Projekt stand die Stadt Rüdesheim und ein Bankhaus aus Köln, als Bauleiter konnte man den Schweizer Ingenieur Nikklaus Riggenbach gewinnen. Im Jahr der Inbetriebnahme wurde die Verwaltung an die neu gegründete Gesellschaft Niederwaldbahn übergeben, die sich die Betriebsrechte vom Bankhaus Jacob S.H. Stern sicherte. Nach guten Jahren, in denen die Niederwaldbahn lediglich einmal durch einen vom größten Aktieneigner ausgelösten Betrugsskandal erschüttert wurde, stellte der 1914 ausgebrochene Erste Weltkrieg die Gesellschaft vor erhebliche Schwierigkeiten.

Der Eingang zur heutigen Seilbahn in Rüdesheim

Der Tourismus ging in den folgenden Jahren stark zurück, was das ohnehin saisonabhängige Geschäft noch schwieriger machte. Der Kauf eines Dampfbootes, mit denen man Besuchern auch Rheinfahrten anbieten wollte, brachte nicht den gewünschten Erfolg. 1917 musste die Niederwaldbahn schließlich stillgelegt werden.

Erfolgreiche Zwischenkriegsjahre und Abriss der Niederwaldbahn

In den Jahren nach dem Krieg blieb es auf den Gleisen erst einmal ruhig. 1920 übernahm die Stadt Rüdesheim die Aktienmehrheit und veranlasste anschließend die Auflösung des Unternehmens. Am Betrieb der Bahn war man dennoch interessiert, setzte diesen aber erst 1925 fort, nachdem sich das Land nach den unruhigen ersten Jahren des Jahrzehnts wirtschaftlich und politisch stabilisiert hatte. Nun profitierte man davon, dass die Deutschen in den Goldenen Zwanzigern ihre Reiselust wiederentdeckten, und konnte sogar neue Besucherrekorde aufstellen. Allein im Jahr 1928 beförderte die Niederwaldbahn 300.000 Gäste.

Niederwald-Doppelseilbahn Assmannshausen

Die ab 1929 herrschende Weltwirtschaftskrise sorgte allerdings für neuerliche Schwierigkeiten, genauso wie der sich anbahnende Zweite Weltkrieg. Zwei Tage vor Kriegsbeginn wurde der Betrieb endgültig eingestellt – auch wenn dies nicht so geplant war. Ein im November 1944 auf die Hindenburgbrücke abzielender Bomberangriff beschädigte die nahe gelegenen Bahnanlagen und besiegelte das Ende der alten Niederwaldbahn. 1952 entschied man sich in Rüdesheim, die Anlage komplett abzureißen und die Dampflokomotiven durch eine modernere Seilbahn mit Gondeln zu ersetzen. Diese verrichtet bis heute ihren Dienst. Ein Jahr später wurde zusätzlich die Niederwald-Doppelseilbahn in Assmannshausen eröffnet, die ihre Bergstation am Jagdschloss Niederwald hat.