Oestrich-Winkel

Oestrich-Winkel ist als Ortschaft noch recht jung. Im Zuge der hessischen Gebietsreform wurde die Stadt am 1. Juli 1972 aus den Gemeinden Mittelheim, Winkel und Oestrich zusammengefasst, am 1. Januar 1977 kam außerdem noch die Gemeinde Hallgarten hinzu, sodass Oestrich-Winkel heute aus vier Stadtteilen besteht. Alle vier Orte können auf eine mehrere hundert Jahre lange Geschichte zurückblicken, die Oestrich-Winkel zu einem lohnenswerten Ausflugsziel machen.

Oestrich-Winkel: Sehenswerte historische Kulisse

Der wohl älteste Ortsteil ist Winkel, der bereits im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Im Falle von Oestrich, Mittelheim und Hallgarten lässt sich über diese Zeit wenig sagen, da die Überlieferungen hier erst im 12. und 13. Jahrhundert zahlreicher werden. Dass es sich um eine traditionsreiche Stadt mit alten Wurzeln handelt, können Besucher aber schon nach einem kurzen Stadtrundgang bestätigen. Bemerkenswert ist beispielsweise der mittelalterliche Marktplatz in Oestrich, der von Fachwerkhäusern umrahmt wird und so ein besonderes Panorama bietet. Sehenswert ist außerdem die in unmittelbarer Nähe stehende katholische Pfarrkirche St. Martin, die 1508 errichtet, während des Dreißigjährigen Kriegs durch schwedische Truppen niedergebrannt und anschließend neu aufgebaut wurde.

Fachwerkhäuser in Oestrich-Winkel

Fachwerkhäuser in Oestrich-Winkel

Das älteste erhaltene Wohnhaus Deutschlands

Im Ortsteil Winkel wartet auf historisch Interessierte eine besondere Attraktion. In der Graugasse 8 steht das „Graue Haus“, das als das älteste noch erhaltene steinerne Wohnhaus Deutschlands gilt. Der romanische Bau wurde der Datierung der verwendeten Dachhölzer folgend in den Jahren nach 1078 errichtet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gebäuden dieser Zeit hat das Graue Haus die Jahrhunderte nicht nur überdauert, sondern ist nahezu unverändert erhalten geblieben. Neu ist lediglich ein Nebengebäude, das im 17. Jahrhundert errichtet wurde.

Wer einen kleinen Spaziergang ins Grüne unternehmen will, sollte das knapp zwei Kilometer von Winkel entfernte Schloss Vollrads besuchen, das ursprünglich als Residenz der Herren von Winkel diente. Heute beherbergt das Schloss ein Restaurant und ist Sitz des zugehörigen Weinguts. Gerade in den Sommermonaten locken Veranstaltungen mit Live-Musik Besucher an, während in der Weinsaison ein Ausschank im Innenhof des Schlosses organisiert wird.

Historischer Verladekran am Rheinufer

Dass Oestrich-Winkel und der Weinbau zusammengehören, beweist auch das Wahrzeichen der Stadt, der historische Weinverladekran am Ufer des Rheins. Dieser wurde ab 1745 genutzt, um Rheinschiffe vornehmlich mit Weinfässern, aber auch anderen Gütern wie Holzstämmen zu beladen. Da die Dampfmaschine erst einige Jahrzehnte später populär wurde, verrichtete man die Arbeit noch mit Muskelkraft.

Historischer Weinverladekran in Oestrich-Winkel

Historischer Weinverladekran in Oestrich-Winkel

Zwei Männer mussten dafür in Treträdern laufen, um den Kranausleger zu bewegen und die Güter zu heben. Bis zu 2,5 Tonnen schwere Lasten konnten so transportiert werden. Noch 1926 wurde mit dieser Technik gearbeitet, bevor der Kran seinen Betrieb einstellte. An der Funktionstauglichkeit hat sich bis heute nichts geändert, wovon sich zu ausgewählten Terminen auch Besucher überzeugen können.